Unser Online-Phototalk, zu dem sich die User des ExifCafés jeweils am letzten Freitag eines jeden Monats um 19.00 Uhr über die heimischen Monitore treffen, ist zwischenzeitlich zu einer festen Einrichtung geworden. In unserem Forum können vorab dazu Themenwünsche und Fragen rund um die Fotografie genannt werden, die wir gemeinsam während unserer Online-Treffen besprechen. Natürlich freuen wir uns auch über Ankündigungen zu Bildbeiträgen, die unsere User in Einzel- oder auch über Gemeinschaftsaktionen erstellt haben. Allein schon durch unsere monatliche Challenge, die für den Mai-Online-Phototalk ‚Im Quadrat – gestaltet interessante Bilder im 1:1 Format‘ lautete, sind Bilder bei jedem unserer Online-Treffen zu sehen. Die zahlreichen Teilnahme-Anmeldungen im Forum zum Mai-Online-Phototalk ließen viele Bilder und einen regen Austausch erwarten.
Nach der allgemeinen Begrüßung konnten wir wieder einmal Ingrid Ohm gratulieren, von der zurückliegend einige Fotos von den Weißstörchen und der Aufzucht ihres Nachwuchses in der Johannisbachaue (Obersee) in der Neuen Westfälischen Zeitung veröffentlicht wurden. Und auch in der ‚Lokalzeit OWL‘ des WDR-Fernsehens wurde von ihr wieder einmal ein besonderes Foto von einer jungen Blaumeise beim ersten Ausflug gezeigt, bei dem der Jungvogel mit weit geöffnetem Schnabel und direktem Blick in die Kamera um Futter bettelt. Ingrid war erneut mit ihrer Kamera zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, um dieses tolle Foto aufzunehmen. Klasse Ingrid!
Rückblickend wurde noch einmal kurz die Gruppenarbeit der Apple-Nutzer angesprochen, bei der sich intensiv über die Nutzung der Möglichkeiten zur übergreifenden Organisation von Apple-Geräten (iMac, MacBook, iPad und iPhone) sowie mit Shortcuts und Tipps und Tricks untereinander weitergeholfen wurde. Für mich, als einer der Apple-Anfänger, waren die Hinweise und Hilfestellungen außergewöhnlich hilfreich. Mac-Praxis – Learning by doing!
Geplant ist zukünftig eine weitere Gruppenarbeit für alle interessierten ExifCafé-User, die ihre Fotoaufnahmen als RAW-Datei speichern und zur Fotobearbeitung Adobe Lightroom, Photoshop, DxO PurRaw, Capture One oder eine andere Bearbeitungssoftware nutzen. Bei dieser Gruppenarbeit geht es um die reine Konvertierung der RAW-Dateien. Während der gemeinsamen Fotobearbeitung am eigenen Rechner können Vergleiche erstellt werden und von den unterschiedlichen Ansätzen und Erfahrungen der Nutzer gelernt werden. Auch das wird wieder eine interessante Zusammenarbeit mit vielen Aha-Momenten!
Die Beteiligung an unseren jeweiligen Challenge-Aufgaben ist natürlich immer auf freiwilliger Basis. Die unterschiedlichen Challenge-Themen sprechen nicht immer jeden User an, aber das aktuelle Thema ‚Im Quadrat – gestaltet interessante Bilder im 1:1 Format‘ war der Auslöser für eine Rekordbeteiligung, die zu vielen sehenswerten Bildern geführt hat.
Alfred begann die Präsentation der Bildergebnisse mit einer Baustellenansicht vom Freileitungsbau. Auf einem riesigen Strommast arbeiten einige Monteure in schwindelnder Höhe mit den bereits aufgezogenen, noch herunterhängenden Leitungen, die von einem Strommast zum nächsten gespannt werden sollen. Die Szene zeigt sich unter einem bedeckten Himmel mit leicht strukturierten Wolken. Der Boden erscheint bis zum Horizont nur minimal am unteren Bildrand, in der Ferne sind Bäume und weitere große Strommasten zu sehen. In einem zweiten Bild vom Freileitungsbau hat Alfred den Himmel durch KI mit zerrissenen Cirruswolken ersetzt. Auch in diesem Bild ist die ‚Erdung‘ nur minimal erfasst, was die Höhe der Strommasten in der Gesamtansicht unterstreicht. Ausgearbeitet wurden die Bilder mit einer Duplex-Tonung.
Unter einer Duplex-Tonung versteht man die Umwandlung eines Schwarzweiß-Bildes in ein Farbbild, das auf exakt zwei Farben basiert. Dabei werden die dunklen Bildbereiche in der einen und die hellen Partien in der anderen Farbe dargestellt, was für einen besonders kontrastreichen und plastischen Look sorgt.
Im Binnenhafen Husum bot sich Alfred das bei Ebbe auf Kiel gelaufene Kutterschiff ‚Marion‘ mit der Gebäudekulisse der Hafenstrasse im Hintergrund als Motiv. Das in Schwarz/Weiss erstellte Bild wirkt durch starke Kontraste und viele Linien hart und grafisch. Bei diesem Bild entwickelte sich eine Diskussion, inwieweit der teilweise unruhige Hintergrund das Bild überlastet.
Nach seinen Bildern mit Duplex Tonung zeigte uns Alfred noch Bilder einer anderen besonderen Art: Infrarot-Fotografie. Und schon sein erstes IR-Bild im 1:1-Format konnte begeistern. Es zeigt Bäume und Sträucher mit Knospen und Blüten unter sanft strukturiertem Himmel. Die Ansicht der wie verschneit wirkenden Blätter und Blüten wurde über helles Anthrazit mit pastellartiger Tonung erarbeitet. Ein fantastisches Bild! Es folgten noch einige weitere Naturaufnahmen in ähnlicher Bearbeitungsweise – alles besondere, außergewöhnliche Bildergebnisse!
Infrarot-Fotografie ist die Aufnahme von Licht im nahen Infrarotbereich (ca. 700–1000 nm), das für das menschliche Auge unsichtbar ist. Sie erzeugt charakteristische Bilder mit leuchtend weißem Laub, dramatisch dunklen Himmeln und surrealer Stimmung.
Diese besondere Art der Fotografie ist über spezielle Filter möglich, was jedoch lange Belichtungszeiten und weitestgehend Stativnutzung erfordert. Möglich ist aber auch ein Kameraumbau, bei dem der werkseitige Sperrfilter vor dem Sensor entfernt und durch einen Infrarot- oder Klarglasfilter ersetzt wird, was nach dem Umbau auch kurze Belichtungszeiten aus der Hand ermöglicht. Aber Achtung: Eine zur Infrarot-Fotografie umgebaute Kamera kann nicht wieder zur Normalfotografie zurückgebaut werden! Kamera-Umbauten werden durch spezialisierte Dienstleister durchgeführt.
Bereits vorab im Forum hatte Alfred mitgeteilt, dass er gerne mehr über die Bearbeitung von RAW-Vorlagen in der Infrarot-Fotografie erfahren möchte. Die Schwarmintelligenz im ExifCafé kann immer helfen, denn unser Schwarz/Weiß-Fotograf Heinz und auch Axel arbeiten bereits seit langer Zeit und mit Erfahrungen in der Infrarot-Fotografie. In der Diskussion ergab sich, dass Heinz dazu Filter nutzt, auch in Kombination mit ND-Filtern und Axel bereits eine umgebaute Kamera hat. Es gibt auch Apps, die die Belichtungszeiten für IR-Filter und erweiterte Kombinationen mit ND-Filter errechnen, dennoch ist selbst Ausprobieren und Erfahrungen sammeln immer eine gute Option. Bearbeitungen finden in Adobe Lightroom nach eigenem Empfinden statt. Im Internet kann man sich über die Arbeit des renommierten Fotografen Ian Hunter informieren, der auch spezielle Workshops über digitale Infrarot-Fotografie, auch in Kombination mit Langzeitbelichtungen und Schwarz/Weiss-Aufnahmen anbietet.
Andreas K. nutze seinen Urlaub in Wyk auf Föhr zur quadratischen Motivsuche. Fündig wurde er in der Ansicht eines Architekten-Bürohauses mit einer quadratischen Fassade. Ein Quadrat im Quadrat – interessante Ansicht, bei der nur die leicht stürzenden Linien etwas stören – aber die lassen sich in der Nachbearbeitung korrigieren!
Der kleine, rot-weiß-gestreifte Leuchtturm an der Wyker Hafenmole war das Motiv für eine Colorkey-Bearbeitung und ein Storchenhorst mit zwei Bewohnern kommt im quadratischen Fotoformat auch gut zur Geltung.
Heinz und Dieter D. hatten sich zum Besuch der Ragnar Axelsson-Ausstellung ‚Where The World Is Melting‘ zum Leitz-Museum nach Wetzlar aufgemacht und nach dem Ausstellungsbesuch natürlich ausgiebig im Leitz-Park selbst fotografiert. Das Ernst-Leitz-Hotel mit der vorgelagerten, breiten Treppenanlage ist ein tolles Motiv, das mit seinen vielen unterschiedlichen Grautönen in der Schwarz/Weiß-Aufnahme punktet. Und auch das Leitz-Museum mit runden Gebäudelinien, die riesige Weltkugel auf dem Gelände und das Leitz-Café mit dem kontrastreichen weißen Überdach wurden sehenswert im quadratischen Format, zum Teil auch als Langzeitbelichtung mit fließenden Wolken, in Szene gesetzt.
Dieter D. zeigte ergänzend Naturaufnahmen von geradlinigen grünen Baumreihen, schmalen Wegen durch dichtes Waldgrün, großflächig mit Bärlauchblüten bewachsenen Waldboden, exakt platzierte Windmühlenflügel in den Quadratecken, den Säulengang am Bode-Museum in Berlin und auch den interessanten Aufblick in einem alten Treppenhaus mit filigranem Geländer.
Axel interessiert sich bereits seit langer Zeit für die Infrarot-Fotografie, von der er uns einige seiner Bilder im 1:1-Format zeigte. Man könnte meinen, er hätte die Landschaftsaufnahme im Winter gemacht, weil der stark belaubte Baum und die Felder links und rechts neben der bis zum Horizont verlaufenen Straße wie von Schnee bedeckt wirken. Der fast schwarze Himmel wird kontrastreich von den weißen Wolken unterbrochen, man wundert sich nur, dass auf der dunklen Straße kein Schnee liegt. Eine weitere Aufnahme, in der die Sonne ihre Lichtstrahlen durch eine Wolkendecke auf eine Wasserfläche mit endlos scheinendem Horizont schickt, lässt anerkennend mit dem Kopf nicken, wie auch sein Bild mit einem geöffneten Holztor und dem Weg mit den zwei Spuren zum Haus auf einer Anhöhe, den der Bewohner oftmals mit einem Fahrzeug absolviert.
In der Bretagne fotografierte er ein stimmungsvolles Küstenbild mit markanten Felsen im Vordergrund, erhabener Landschaft und interessanten Wolkenformationen. Mir ist schon häufiger aufgefallen, dass Axel einen besonderen Blick für Wolken hat. Auch sein Bild vom Strand in Amrum mit einer von Strandhafer bewachsenen Düne zeigt außergewöhnliche Wolkenformationen. Obwohl dieses Bild in der Infrarot-Version eine eindrucksvolle Ansicht ist, hadert Axel etwas mit dem verminderten Kontrast des Strandhafers zum Dünensand. Mir fehlt in diesem Bild absolut nichts, weil selbst der schmale Ausläufer des Strandhafers zum flachen Strand neben der Düne gut zu erkennen ist.
Mit Stefans lebendigen Tieraufnahmen kehrte die realistische Ansicht besonderer Momente zurück. Der startende Weißstorch mit reichlich Nistmaterial im Schnabel, die fliegende Seeschwalbe, die perfekt im kleinen, quadratischen Zaunausschnitt fotografiert wurde, das Schwarzkehlchen auf dem Buschwindrosen-Strauch, eine Mönchsgrasmücke im frühen Morgenlicht, ein zurückblickender Rehbock an einem steilen Hang und fliegende Bienenfresser, wunderbar freigestellt, sind fantastische Momentaufnahmen. Besonders gut gefallen mir seine Aufnahmen vom Haubentaucherpaar mit den gekreuzten Schnäbeln und die sich putzende Seeschwalbe, die bei ihrer Schwanzfederpflege eine besonders schöne Ansicht bietet.
Auch Markus F. war ‚tierisch‘ unterwegs. Er hatte das Glück, eine grüne Zauneidechse vor diffusem Hintergrund und ein Rotkehlchen auf einem liegenden Baumstamm in schöner Positionierung zu fotografieren. Übertragen im naturfreundlichen Sinn ‚den Vogel abgeschossen‘, hat Markus F. jedoch mit seinem Foto eines jungen Steinkauzes. Ein Naturfreund aus seinem Bekanntenkreis hatte ihn informiert, dass einer seiner Nistkästen von einem Steinkauzpaar genutzt würde. Markus hat im Tarnzelt mit viel Geduld auf den richtigen Moment für sein Foto gewartet und den kleinen, neugierigen Nestling bei seinem Ausblick durch das Einflugloch des Nistkastens auf die Draußenwelt fotografiert. Der junge Steinkauz blickt direkt in seine Kamera – damit ist Markus F. ein besonderes Bild gelungen!
Andreas B. hat für seine quadratische Ansicht ein Treppenhaus an der Esplanade Hamburg gefunden. Es zeigt mit dem Blick nach oben verschiedene Ebenen des Treppenhauses, die jedoch nicht die Ansicht des Treppenaufgangs beinhalten. Der Treppenaufgang liegt gesondert an der Seite. Die Sicht bis zur Lichtkuppel ist geradezu ideal für das 1:1-Format, weil ein farbiger Rahmen auf der untersten Deckenebene im quadratischen Format aufgemalt ist. Nur minimal abweichend von der optimalen Positionierung der Kamera zeigt das Bild mehrere Ebenen des Treppenhauses. Ein Foto, das sich erst nach dem zweiten oder dritten Blick vollständig erschließt und eine außergewöhnliche, grafische Ansicht zeigt!
Jörg hat aus vorliegenden Fotografien im 3:2-Format geeignete Ausschnitte für das quadratische Format erarbeitet. Bei seinen Ausschnitten konzentrierte er den wesentlichen Bildinhalt im neuen Format. Eine Glaskugel auf einem liegenden Baumstamm in einem blühenden Buschwindrosen-Feld, mit großer Blüte im Vordergrund. Trotz Reduzierung des ehemaligen Bildformats ist die Bildaussage unverändert umfangreich geblieben. Architektur und farbliche Gestaltung eines alten Rathauses, vor dem ein hochzeitlich geschmückter Oldtimer (Opel Admiral, aus den 70er Jahren) geparkt ist, stehen bei einem anderen Bild im Mittelpunkt. Auch hier fehlt absolut nichts, was auf dem ursprünglichen 3:2-Format sonst noch zusehen wäre. Das ehemalige Tanzlokal ‚Rheingold‘ in Bad Salzuflen war eine legendäre Adresse für Tanz und Konzerte. Der Betrieb wurde bereits vor langer Zeit geschlossen und zwischenzeitlich zu Wohn- und Geschäftszwecken umgebaut. Jörg zeigte von der repräsentativen Architektur mit dem großen ‚R‘ auf dem Turmdach und dem der Architektur angepassten, gebogenen Rheingold-Schriftzug Ansichten in Farbe und Schwarz/Weiss. Sehr schönes Motiv und gelungene fotografische Umsetzung!
Dass das quadratische Format eigentlich für die meisten Motive geeignet ist, beweisen unter anderem auch namhafte Kamerahersteller für erfolgreiche Mittelformate, wie zum Beispiel Hasselblad und schon seit früheren, analogen Zeiten Rollei mit der Rolleiflex mit dem 6×6-Format. Die Challenge ‚Im Quadrat‘ hat unseren Mai-Online-Phototalk nahezu allein gestaltet. Mit diesem Thema haben wir uns über 2 1/2 Stunden gut unterhalten und dabei viele Bilder gesehen und diskutiert.
Nach vielen Informationen und Diskussionen zeigte uns Andreas B. noch seine Bilderserie ‚Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer!‘, die er mit seinem neuen Teleobjektiv 600 mm Festbrennweite aufgenommen hat. Jeder, der schon einmal versucht hat, Schwalben im Flug mit einem Teleobjektiv mit 600 mm Brennweite zu verfolgen, weiß wie schwierig das ist. Ein Fotograf umschrieb das Vorhaben einmal mit: „Als wenn man durch einen Strohhalm sieht!“ Dennoch sind Andreas B. aus freier Hand schöne Aufnahmen von den Rauchschwalben gelungen.
Die Schwalbenbilder waren ein schöner Ausklang unseres OnlinePhototalks. Es waren eigentlich noch weitere Bildpräsentationen einzelner User vorgemerkt, doch die Challenge-Ergebnisse haben dieses Mal den zeitlichen Rahmen gesprengt. Aber die behandelten Themen waren interessant und haben viel Spaß gemacht! Und mit den vorgemerkten, ausgefallenen Bildpräsentationen haben wir schon jetzt für unseren Juni-Online-Phototalk wieder Bildbeiträge gesichert!
Das Thema Infrarot-Fotografie wird ganz bestimmt noch intensiviert werden, denn diese besondere Art der Fotografie ergibt schon außergewöhnliche Ansichten! Uns wird es ganz bestimmt nicht langweilig werden, der bevorstehende Sommer und die Urlaubszeit werden uns viele interessante Motive zeigen – und die User des ExifCafés werden sie mit besonderen Bildern festhalten!


