Der Fotoclub ‚Brackweder Fotofreunde‘ kann nach der Gründung im Jahr 1992 bereits auf 34 Jahre aktive Fotografie in einer gleichgesinnten Gemeinschaft zurückblicken. Die Mitglieder, engagierte Hobbyfotografen mit einer sehr vielfältigen fotografischen Bandbreite, treffen sich alle zwei Wochen zum allgemeinen fotografischen Austausch, zur Bilddiskussion und zur Planung gemeinsamer Aktivitäten. Nach mehr als 20 bisher durchgeführten Ausstellungen haben die Brackweder Fotofreunde auch schon umfangreiche organisatorische Erfahrungen gesammelt.
Die Vorankündigung, dass die Brackweder Fotofreunde wieder einmal im Rathaus-Pavillon Brackwede ihre Bilder im Rahmen der Ausstellung ‚Szenen einer Stadt – ein fotografischer Bilderbogen urbaner Momente‘ zeigen, hat die User des ExifCafés sehr gefreut und natürlich auch neugierig gemacht, wie die Brackweder Fotofreunde ihren Blick auf das Stadtleben in Bilder umgesetzt haben. Die für Samstag, den 6. Juni 2026, geplante Vernissage um 11.00 Uhr hatten wir in unserem Terminkalender vermerkt und waren mit mehreren Usern des ExifCafés rechtzeitig im Rathaus-Pavillon.
Für die Brackweder Fotofreunde ist es bereits die 4. Fotoausstellung im Rathaus-Pavillon. Neun Fotografen des Fotoclubs – Jörg Schürmann, Franz Gockel, Heinrich Prochnau, H.-Jürgen Franzen, Jürgen Landwehr, Wolfram Häring, Klaus Heiringhoff, Manfred Berner und Detlef Gössling – präsentieren in dieser Ausstellung ihre Bilder, die sie nicht nur in heimischer Umgebung, sondern auch auf ihren Reisen innerhalb Deutschlands und auch im Ausland aufgenommen haben.
Die Eröffnungsansprache zur Vernissage hielt Vincenzo Copertino, der Bezirksbürgermeister vom Bielefelder Stadtteil Brackwede. Er sprach davon, dass Städte oftmals nur an ihren Sehenswürdigkeiten, Plätzen, Gebäuden und Strassen gemessen werden, dass Städte jedoch viel mehr sind. Es sind die Menschen, die in ihr wohnen, arbeiten, lachen, träumen, diskutieren, feiern und ihren Alltag gestalten. Und dass eine Stadt aus unzähligen Geschichten besteht, von denen die meisten jedoch nicht aufgeschrieben werden: Ein kurzer Blick, eine Begegnung auf dem Markt, Kinder beim Spielen, ein Gespräch auf einer Parkbank, ein Sonnenstrahl, der eine Szene in ein besonderes Licht taucht. Genau diese Bilder haben die Brackweder Fotofreunde eingefangen. Sie zeigen nicht nur Orte, sie zeigen Leben und Augenblicke, die wir im Alltag oft übersehen, weil wir es eilig haben oder glauben, sie seien selbstverständlich. Doch die Fotografie hat eine besondere Gabe, sie hält die Zeit für einen Moment an. Sie macht sichtbar, was sonst flüchtig ist und gibt uns Gelegenheit, Momente intensiver wahrzunehmen, die uns sonst verborgen blieben.
Die Bilder nehmen uns mit auf eine Reise über Grenzen hinweg, mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Lebensgeschichten und Traditionen. Ein Lächeln braucht keine Übersetzung, Freude, Hoffnung, Gemeinschaft, Neugier und Mitgefühl kennen keine Landesgrenzen und werden überall auf der Welt verstanden. In einer Zeit, in der oft über Unterschiede gesprochen wird, führt uns diese Ausstellung vor Augen, wieviel wir gemeinsam und miteinander haben. Das macht die Fotografie besonders: Sie dokumentiert nicht nur die Welt, sie schafft Verständnis für die Welt. Sie lädt uns ein, die Dinge einmal mit den Augen eines anderen Menschen zu betrachten
Vincenzo Copertino bedankte sich bei den Brackweder Fotofreunden für die Bereicherung des kulturellen Lebens in unserem Stadtbezirk seit vielen Jahren. Mit Kreativität, Leidenschaft, Geduld und dem geschulten Blick für den richtigen Moment. Für eine Ausstellung, die zum nachdenken, staunen und entdecken einlädt. Die Bilder zeigen uns, dass die Kunst nicht immer nur in den großen Dingen liegt, oft findet sie sich in den kleinen Szenen des Alltags, in unscheinbaren Augenblicken und Momenten, die wir oft übersehen. An die Besucher gerichtet empfahl er, genau hinzusehen und die Bilder auf sich wirken zu lassen. Vielleicht entdecken sie dabei nicht nur Szenen einer Stadt, vielleicht entdecken sie ein Stück Menschlichkeit, vielleicht ein Stück Erinnerung, vielleicht entdecken sie sogar sich selbst. Abschließend wünschte er den Brackweder Fotofreunden für ihre Ausstellung viele interessierte Besucher/innen, interessante Gespräche und viel Erfolg.
Franz Gockel dankte Vincenzo Copertino im Namen der Brackweder Fotofreunde für die eindrucksvolle Ansprache und begrüßte die Besucher mit Dank für ihr Interesse und zahlreiches Erscheinen. Dank sprach er auch der Stadt Brackwede und den beteiligten Mitarbeitern aus, die die Ausstellung im lichtdurchfluteten Rathaus-Pavillon möglich gemacht haben. Er erläuterte, wie das Ausstellungsthema ‚Szenen einer Stadt‘ für diese Ausstellung gefunden wurde. Die einzelnen Mitglieder des Clubs schlagen jedes Jahr jeweils drei Themen vor, aus denen gemeinschaftlich vier Quartalsthemen zur fotografischen Bearbeitung ausgewählt werden. Für dieses Jahr wurde ergänzend noch ein weiteres Thema gewählt, das für die geplante Fotoausstellung genutzt werden sollte. Erst nach langen Gesprächen und auch kontroversen Diskussionen wurde das Thema ‚Szenen einer Stadt‘ festgelegt, bevor es an die Arbeit zur Bildauswahl für diese Ausstellung ging. Mehrere Bilder fanden sich dazu in den Archiven der teilnehmenden Fotografen, viele Bilder wurden jedoch auch erst noch für diese Ausstellung aufgenommen. Franz Gockel wünschte den Besuchern viel Spaß beim Betrachten der Bilder, teilte mit, dass für Fragen und Erläuterungen zu den Bildern alle teilnehmenden Fotografen gerne zur Verfügung stehen und eröffnete mit diesen abschließenden Worten die Fotoausstellung. Um den Besuchern die Ausstellung so angenehm wie möglich zu machen, wurden Getränke und Salzgebäck gereicht.
Die insgesamt 83 ausgestellten Bilder wurden weitestgehend in schwarzen Rahmen, in den Größen 50×40 cm und 60×50 cm, glaslos, mit Passepartout präsentiert. Zu den ausgestellten Bildern hätte ich mir kurze Informationen zum Aufnahmeort gewünscht, aber die anwesenden Fotografen gaben auch gerne Auskunft dazu.
Mit dem Fotografen Detlef Gössling teile ich die Begeisterung für automobile Oldtimer und aktuelle Sportwagen, die bei den Mottotreffen im Lenkwerk Bielefeld zu sehen sind. Dort trifft man sich, um mit der Kamera die charaktervollen Karosserien und Details zurückliegender Jahrzehnte und die automobile Entwicklung im Bild festzuhalten. Und auch die sportlichen Hypercars von Ferrari, Lamborghini, McLaren, Aston Martin und Co., die man nur selten auf den Straßen sieht, sind für Automobilfreunde aufregende Besonderheiten. Von seinen ausgestellten Bildern gefiel mir die Ansicht von einem Ford aus den 30er Jahren mit den beiden älteren Herren, die zeitgemäß gekleidet mit Blick und ihren Händen im geöffneten Motorraum des Oldtimers versunken sind. Ein schönes Bild, dass am Bielefelder Klosterplatz im Rahmen einer Oldtimer-Ausstellung entstand.
Franz Gockel hat interessante Portraits der kostümierten Darsteller des Bielefelder Carnival der Kulturen fotografiert. Den Bildern ist die Fröhlichkeit und alle Darsteller und Besucher verbindende, freundliche Stimmung anzusehen. Weil der Bielefelder Carnival der Kulturen auch eines meiner favorisierten Outdoor-Events ist, bin ich beim Blick auf die Bilder sofort mittendrin! Sehr gut gefallenen mir auch die beiden kreativen Aufnahmen, die Franz Gockel mit dem Bracketing-Verfahren erstellt hat. Jeweils 9 bzw. 15 Bilder wurden leicht versetzt mit der Kamera aufgenommen, in der Bildbearbeitung übereinander gelegt und verrechnet, so dass sich als Endergebnis alle einzeln aufgenommenen Bilder in einem Bild darstellen. Dennoch ist viel zu erkennen und an manchen Details, in einem Bild sind es die runden Straßenbeleuchtungen, erkennt man auch den Jahnplatz in Bielefeld. Sehr gut finde ich auch die S/W-Aufnahme von einem Wartehäuschen (könnte in der Nähe der Bielefelder Kunsthalle gelegen sein) dessen eine Seite großflächig eine Portraitfotografie eines älteren Mannes mit dicker, kreisrunder Brillenfassung und auf der Hand aufgestütztem Kopf zeigt, der nachdenklich seine Umgebung betrachtet, während im Hintergrund eine einzelne Person mit Rucksack vorbeiläuft. Ein Bild, das vielfach interpretiert und Geschichten erzählen kann!
Wolfram Häring stellt mit seinem Bild eines Skaters auf dem Bike- und Skatepark am Bielefelder Kesselbrink die Welt auf den Kopf. Den Skater hat er im 90 Grad Winkel auf seinem Skateboard stehend an der Oberkante der Halfpipe fotografiert. Zur eindeutigen Orientierung hilft die im Hintergrund unscharf abgebildete Fassade eines Gebäudes. Gute Perspektive und interessanter Bildschnitt! Eine häufige Ansicht in unserer aktuellen Zeit ist das konzentrierte Interesse auf das Handy, bei dem die Menschen ihr Umfeld auszublenden scheinen. Wolfram Häring hat eine Szene fotografiert, die dieses Verhalten mit einer sinnbildlichen Trennung verbindet. Im Bielefelder Bürgerpark gelang ihm die Aufnahme von einem Mann und einer Frau, die sich jeweils den Rücken zukehrend, auf einer Bank sitzen und auf ihre Handys schauen. Zwischen diesen beiden Personen ist die gebündelte Wasserfontäne des im Hintergrund liegenden Teichs zu sehen. Mit dieser vom Fotografen gewählten Perspektive hat er das Bild perfekt gemacht!
Bei uns kaum zu sehen, in südlichen Ländern ist es ein alltäglicher Anblick, wenn Menschen unmittelbar an einer ruhigen Straße sitzen, sich unterhalten, spielen und Gemeinschaft pflegen. Im Bild zu sehen ist eine ältere Frau. Sie sitzt allein an einer Straße mit einem Buch in der Hand, in einem tiefergelegenen Hauseingangsbereich. Das Haus ist alt, das Mauerwerk brüchig, eine andere nebenanliegende Tür ist mit Zeichen und Buchstaben bemalt. Hier ist der Reichtum nicht zuhause. Die Szene spiegelt Ruhe und Gelassenheit, die sich auch die Ärmeren der Bevölkerung zumindest ab und zu einmal gönnen können. Dieses Bild, das Geschichten erzählen kann, hat H.-Jürgen Franzen aufgenommen. Im krassen Gegensatz dazu sein Foto von einem Kran, der einen luxuriösen PKW in eine erhöhte Etage eines Hauses hebt oder auch herausholt. Dabei stellt sich die Frage: Was macht(e) der Eigentümer mit dem Fahrzeug in dem Haus, das scheinbar nicht auf eigenen Rädern diese Ebene erreichen kann (konnte)? Ein extravaganter Wunsch? Seltsam allemal!
Mit dem Berliner Dom (Neorenaissance, erbaut 1894 bis 1905) und dem Berliner Fernsehturm (mit 368 Meter höchstes Bauwerk Deutschlands, Fertigstellung 1969) hat Jörg Schürmann die Vergangenheit und Gegenwart in einem Bild dargestellt. Abgesehen davon, dass Bauweisen ihre zeitlichen Epochen haben, wäre die Absicht, ein solches Gebäude, wie den Berliner Dom, heutzutage zu erstellen, nicht nur aus Kostengründen nahezu unmöglich. Auf der Aussichtsplattform des Fernsehturms in 203 Meter Höhe können die Menschen den Blick an klaren Tagen bis zu 80 Kilometer weit über die Hauptstadt hinaus schweifen lassen und wenn sie etwas essen oder trinken möchten, dann ist das an der Bar oder im 207 Meter hohen Drehrestaurant auch möglich.
Wenn ich alle Bilder der Ausstellung hier beschreiben wollte, würde das den Rahmen meines Besuchsberichts sprengen, daher sollen die vorstehenden Ausführungen auch nur ansatzweise schildern, was die Besucher der Ausstellung ‚Szenen einer Stadt‘ erwartet: 83 Fotografien, ein fotografischer Bilderbogen urbaner Momente, wie auch der Untertitel zur Ausstellung lautet!
Die Vernissage zur Ausstellung war gut besucht, die allgemeine Stimmung im Rathaus-Pavillon war sehr freundlich. Die Brackweder Fotofreunde haben eine interessante Fotoausstellung gestaltet und Vincenzo Copertino hat wieder einmal eine sehr schöne Eröffnungsansprache gehalten. Wir haben besondere Bilder gesehen, andere bekannte Fotofreunde getroffen, diskutiert und uns gut unterhalten. Es war eine sehr gelungene Vernissage, Dank dafür an die Brackweder Fotofreunde und alle anderen, die dazu beigetragen haben! Wann und wo auch immer die Brackweder Fotofreunde ihre nächste Ausstellung zeigen – wir vom ExifCafé sind wieder dabei!
Wer sich die Fotoausstellung ‚Szenen einer Stadt‘ im Rathaus-Pavillon, Germanenstraße 22 in 33647 Bielefeld-Brackwede, ansehen möchte, der ist bei eintrittsfreiem Zugang herzlich willkommen. Die Ausstellung ist jeweils Samstag und Sonntag von 16.00 bis 19.00 Uhr bis zum 28. Juni 2026 geöffnet. Die Brackweder Fotofreunde freuen sich über Ihren Besuch!



