Schon lange vor dem geplanten Eröffnungstermin der Ausstellung ‚Multiple Mini Art‘ von Ingrid Ohm begannen die Vorbereitungen, um zur Vernissage am 9. April 2026 die bestmöglichen Voraussetzungen für eine rundum gelungene Ausstellung sicherzustellen. Nach dem Erhalt des Schlüssels für den Brackweder Rathaus-Pavillon standen viele Helfer bereit, um die Stellwände auf der Ausstellungsfläche zu platzieren und die 51 Bilder aufzuhängen. Ingrid Ohm hatte im zeitlichen Vorfeld bereits Plakate zur Ausstellungsankündigung, kreative Minizines, Flyer und Karten in unterschiedlichen Größen mit Motiven ihrer Ausstellungsbilder drucken lassen, die an stark frequentierten Orten ausgelegt und verteilt wurden. Sehr werbewirksam war auch ein kurz vor Ausstellungsbeginn geführtes Interview mit der Bielefelder Neuen Westfälischen Zeitung, das mit der Ausgabe der NW am 7. April 2026 veröffentlicht wurde. ‚Erdmännchen werden zu Stars‘ lautete die Headline auf der Titelseite, auf der uns auch ein Bild von Ingrid Ohm anlachte. Im Innenteil der Zeitung war unter der Überschrift ‚Die Erdmännchen der Ingrid Ohm‘ ein großes Bild eines ihrer Erdmännchen-Motive mit Erläuterungen zur Erstellung ihrer kreativen Dioramen zu sehen und zu lesen und im Lokalteil der NW wurde über das gedruckte Interview detailliert über die Ideenfindung, die Zweckentfremdung der benutzten Materialien (ein halbes Tee-Ei wird zur Friseur-Trockenhaube und eine Rouladennadel zum Infusionsständer) und die Feinarbeit zu den erstellten Dioramen berichtet. Dass die erzielten Ergebnisse nur mit starker, anhaltender Motivation und viel Spaß möglich sind, versteht sich von selbst.
Vor ca. 15 Jahren begann Ingrid Ohm ihr Kunstprojekt ‚Multiple Mini Art‘, einer szenographischen Miniaturfotografie mit handgefertigten Dioramen, in denen ca. 5 cm große Erdmännchen-Kunststofffiguren des Münchner Spielwarenherstellers Schleich die Hauptrollen spielen und über wechselnde Identitäten für skurrile Ansichten mit Augenzwinkern sorgen. Mal virtuos, mal verspielt, mal sachlich fokussiert, aber immer mit feinsinnigem Humor. Sämtliche Dioramen und Kostüme und Frisuren (dazu wurden einige Barbie-Puppen skalpiert) sind handgefertigt und speziell für die fotografische Szenographie im Kleinformat entworfen. In den individuell erstellten Szenerien, mit den passenden Requisiten im Miniaturformat, entstehen so immer neue, humorvolle, aber auch hintergründige Deutungen auf uns selbst. Wenn ihre Inszenierung vollumfänglich ihrer Vorstellung entspricht, dann fotografiert Ingrid Ohm sie im entsprechenden Kontext ab.
Rein fotografisch gesehen ergaben sich bei den Aufnahmen zu den Abschlussbildern vielfältige Schwierigkeiten. Halterungen schwebender Elemente mussten durch geschickte Platzierungen und stabile Fixierungen verdeckt werden, ungewünschte Spiegelungen und Reflexionen ausgeschlossen und die Übergänge von Dioramen und fotografischen Kulissen optisch nahtlos angepasst werden. Bis zum optimalen Ergebnis waren regelmäßig mehrere Ansätze mit jeweils ergänzenden Maßnahmen erforderlich. Für das Abschlussbild verschmelzen die vielen Aspekte zu einem ästhetischen Mikrokosmos aus Fantasie, überraschenden Effekten und skurrilen Momenten. Wie im Interview in der NW zu lesen war, hatte Ingrid Ohm den Hippie mit der Kulisse der Donoper Teiche fotografiert. So entstanden mit handwerklichen Fertigungstechniken, Improvisation, Fantasie und Dramaturgie in den letzten 15 Jahren über unterschiedliche fotografische Miniaturwelten ganz individuelle Bilder, die ein weites Spektrum diverser Atmosphären und Stimmungen abdecken.
Ingrid Ohm fotografiert seit ca. 15 Jahren. Viele Jahre konzentrierte sie sich auf ihre Fotoarbeit der multiplen Mini Art. Aktuell ist sie jedoch vorrangig mit Wildlife-Fotografie in der heimischen Ostwestfalen-Region unterwegs. Und das mit großem Erfolg. So gelangen ihr bereits viele außergewöhnliche Fotos über einzigartige Szenen. Besonderen Gefallen findet sie an Motiven, in denen Tiere etwas tun, womit niemand rechnen würde, Momente, wenn zum Beispiel Schweine an Blumen riechen. Auch in der Natur sucht sie immer nach dem Besonderen, den Szenen, die atypisch sind und Interpretationen zulassen.
Als einer der Helfer zur Kuratierung ihrer Ausstellung hatte ich nach getaner Arbeit Gelegenheit, mir die Bilder der ‚Multiple Mini Art‘-Ausstellung vorab in aller Ruhe anzusehen. Es ist unglaublich, mit welcher Kreativität, Ideenreichtum, handwerklichem Geschick und hohem zeitlichen Aufwand die Erstellung der Szenerien im Miniformat und letztendlich auch die fotografische Verbindung der Dioramen mit den Kulissen stattfand. Ingrid Ohm weiß nur, dass sie jeweils lange an den einzelnen Dioramen gearbeitet hat, den Arbeitsaufwand in Stunden aufzurechnen, ist ihr gar nicht möglich.
Bedingt durch unsere gemeinsame Zugehörigkeit zur ExifCafé Photocommunity Bielefeld wusste ich von Ingrids ‚Erdi‘-Kunstprojekt und hatte im Internet auch bereits einige Motive davon gesehen. Die Bilder jetzt in einer Ausstellung im Rathaus-Pavillon großformatig, weitestgehend auf Aludibond gedruckt zu sehen, ist eine ganz andere Ansicht! Den Detailreichtum und die erdachten Szenen als großformatiges Bild an einer Wand zu sehen, ist einfach nur begeisternd! Die unterschiedlichen Szenen sprechen für sich, zeigen menschliche Eigenschaften und Eigenarten, in denen sich vielleicht auch mancher Betrachter selbst erkennt.
Für Donnerstag, den 9. April 2026 um 18.00 Uhr, waren bis zum Beginn der Vernissage alle Vorbereitungsarbeiten sorgfältig erledigt. Getränke, Gläser, Trockengebäck und kleine Süßigkeiten standen für die Besucher bereit und auch ein schöner Blumenstrauß zierte den Ausstellungsraum. Um den Besuchern einen Eindruck von der tatsächlichen Größe des Hauptdarstellers ‚Erdi‘ zu geben, stand Erdi auf einem beleuchteten Podest mit überdimensional hoher, lockiger Frisur unter einer Trockenhaube. Direkt daneben ist sein großformatiges Szenebild platziert.
Lange vor der Eröffnungsansprache durch den stellvertretenden Bezirksbürgermeister von Bielefeld-Brackwede, Jesco von Kuczkowski, hielten sich im Ausstellungsraum schon sehr viele interessierte Besucher auf. Nach seiner Ankunft verschaffte sich Jesco von Kuczkowski bei einem Rundgang einen Überblick über die ausgestellten Exponate, der von seinem andauernden Lächeln begleitet wurde. In seiner folgenden Eröffnungsansprache vor deutlich mehr als 100 Besuchern gab er seiner Freude Ausdruck, dass im Brackweder Rathaus-Pavillon immer wieder unterschiedliche Ausstellungen stattfinden. Jetzt mit einer Ausstellung, einer Kunst, die ihn persönlich anspricht, die er außergewöhnlich erfrischend empfindet, weil die vielen Details in den Werken sehr lebendig wirken und dem Betrachter viel geben können. Auch hob er den Stellenwert dieser Ausstellung hervor, die die Kultur in unserer Region noch einmal außerordentlich bereichert. Mit einem Hinweis darauf, dass er nach Anfrage bei Ingrid Ohm erfahren hat, dass die Bilder bei Interesse auch käuflich zu erwerben sind, eröffnete er die Ausstellung und wünschte den Betrachtern ganz viel Spaß mit den Bildern und Ingrid Ohm viel Erfolg mit der Ausstellung.
Für Ingrid Ohm richtete Ingeborg Sommer anschließend noch einige Worte an die Besucher. Sie berichtete, dass sie Ingrid als Fotografin kennengelernt hatte, aber nach Ansicht der ausgestellten Bilder würde sie sie auch als Künstlerin sehen. Sie wies darauf hin, dass in der Ausstellung lediglich das alles zusammenfassende Abschlussbild der sehr umfangreichen Vorarbeiten der gesamten Szenerie zu sehen ist. Und sie war der Meinung, dass die Hauptfigur ‚Erdi‘ einmal selbst zu seinen bemerkenswerten Bildauftritten gehört werden sollte. Dann startete sie eine vorbereitete Aufnahme von einem iPad, in der Erdi die Geschichte seiner Entdeckung und seines Werdegangs schilderte.
Mir hat diese Geschichte sehr gut gefallen, daher möchte ich sie nachfolgend weitergeben:
Seid gegrüßt!
Heute melde ich mich mal zu Wort – ein Gespräch an Dich. Ich spreche eigentlich nicht eure Sprache – aber ich habe einen Weg gefunden, euch doch viel zu erzählen. Heute nutze ich mal eure Sprache, denn die ist euch Menschen ja viel vertrauter als andere Kommunikationsmittel. In meiner Welt ist kommunizieren einfach – einfach Sein! Ja tatsächlich, ich kommuniziere auch, aber anders als ihr. Ich brauche Hände, über die ich sprechen kann. Und die habe ich zum Glück gefunden. Das war nicht einfach, kann ich euch sagen, aber es ist mir gelungen. Wenn ich mir mal was vorgenommen habe, dann kann ich mein Ziel schon äußerst hartnäckig verfolgen. Und diese Fähigkeit hat mir ein Leben ermöglicht, an dem ich euch heute teilnehmen lassen möchte.
Aber mal von Anfang an:
Nachdem ich eine Zeitlang meines Lebens Kinderaugen begeistern durfte, landete ich als Rumsteherlein im Regal und war dazu verurteilt, Zuschauer zu werden. Das war ja wohl weit unter meinem Niveau, denn ich war ja zu Höherem geboren. Dabei hatte ich die Kreativität vor meinen Augen! Und da kam mir die Idee, dass genau diese Hände, die dort vor mir mit Stoffen arbeiteten, meine Rettung sind. Diese Hände und ich, wir gehörten einfach zusammen, das wurde mir jeden Tag bewusster. Ich musste es schaffen mit der Kraft meiner Gedanken die Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, der Rest ist dann ein Kinderspiel. Und wenn mir einmal einer in die Augen geschaut hat, hat er eh verloren. Also setzte ich von nun an all meine Kraft darauf, dieses Wesen mit den wunderbaren Händen für mich zu gewinnen. Aber ich sage euch, es war nicht einfach. Ich musste mich wirklich in Geduld üben und als ich schon fast aufgeben wollte, war es soweit. Sie schaute mich an und mit allem, was mir zur Verfügung stand, schaute ich zurück. Und jetzt wusste ich, ich hatte gewonnen. Hände griffen nach mir und begannen mit mir zu spielen. Jetzt war es ein Leichtes für mich, all das zu kommunizieren, was ich mir von meinem Leben erträumt hatte, denn diese Hände konnten mich hören.
Als erstes brauchte ich etwas zum Anziehen, denn wer will sich schon nackt der Menschheit zeigen? Ich hatte nämlich große Pläne! Als nächstes ließ ich die Hände die Welt erschaffen, in der ich sein wollte. Aber glaubt mir, so schnell bin ich nicht zufrieden zu stellen. Ich habe Ausdauer, bin auf meine Art Perfektionist und habe nun mal ganz genaue Vorstellungen davon, wie meine Welt auszusehen hat, damit ich mich wohlfühle und mich zum Ausdruck bringen kann. In dieser Zeit bin ich sehr besitzergreifend und lasse das Wesen, das an den Händen hängt, kaum zur Ruhe kommen. Das gebe ich ehrlich zu, da bin ich nicht besonders rücksichtsvoll. Aber als Dankeschön ermögliche ich diesem Wesen auch, dass es die Welt wieder aus einer anderen Perspektive wahrnehmen kann.
Überall um uns herum liegen wahre Schätze, versteckt in vielen kleinen Alltagsgegenständen. So können Kronen entstehen, Ufos, Trockenhauben und Infusionsständer – wenn man doch nur hinschaut. Durch mich werden sie sichtbar. Durch mich dürft ihr alle wieder ein bisschen wie durch Kinderaugen in diese Welt schauen.
Also seid gnädig mit mir, wenn ich es mal wieder ordentlich übertreibe. Ich brauche diese Welt, in der ich meine Präsenz spüre und mich zum Ausdruck bringen kann. Und ich brauche diese Welt, wann immer sich der Raum ergibt, eine Geschichte zu entwickeln. Ich lade euch ein, in meine Welt einzutauchen. Ich gebe euch die Erlaubnis für einen Moment wieder Kind sein zu dürfen.
Ich verdanke diesen Händen alles. Sie fordern nicht, sie wollen nichts, sie führen nicht, sie denken nicht – sie spielen und empfangen – und mehr wollte ich nie. Nur so kann ich mich zeigen und ich zeige mich gern. Zum Glück habe ich mich mal wieder in Geduld üben müssen, so dass diese Fähigkeit jetzt zur wahren Meisterschaft ausgebaut werden konnte. Einige Jahre musste ich auf diesen Tag warten, aber ich erwähnte ja, dass ich mein Ziel mit Ausdauer verfolge und zum Perfektionismus neige. Und so ist es geschafft und jetzt bin ich da. Diese Hände habe ich davon überzeugt, mich hier zu zeigen. Wir sind schon ein cooles Team! Danke!
Ja, das musste einfach mal gesagt werden. Und jetzt genießt diesen Blick in meine, unsere Welt!
Der Text allein, mit dem Ingeborg Sommer die Gedanken Erdis formuliert hat, gibt nicht die emotionale Stimmung der Ansprache wider, die mit einfühlsamer Betonung, mal lauter und mal geheimnisvoll flüsternd und mit kleinen Sprechpausen vorgetragen wurde. Darum wurde Erdis Ansprache auch mit viel Beifall der anwesenden Besucher belohnt.
Nach Erdmännchens Dank an Ingrids schöpferische Hände konnten sich die Betrachter erwartungsvoll zu den Bildern begeben, die sie ganz bestimmt nicht enttäuscht haben. Der Betrachter taucht in Welten ein, die die eigene Interpretation geradezu herausfordern. Während jedes einzelne Foto des Projekts das Eintauchen in die jeweilige Szenerie erlaubt, beginnen die Bilder zu kommunizieren, sobald sie gemeinsam in einem Raum präsentiert werden. So entsteht ein lebendiger Rhythmus, mal laut, mal leise – aber stets voller Leben. Dass die Besucher das genauso empfunden haben, das konnte ich am Lächeln jedes einzelnen Betrachters sehen. Die Ausstellungsbesucher hatten viel Spaß bei der Ansicht der Bilder und angeregten Austausch miteinander.
Wie Ingrid Ohm im Interview mit der NW erwähnt hatte, dass sie bei der Erstellung der unterschiedlichen Dioramen alle Sorgen des Alltags vergessen würde, ging es ganz bestimmt auch vielen Besuchern bei der Betrachtung der Bilder. Was kann man von einem Bild mehr erwarten, als Freude zu machen, die Alltagssorgen auszublenden und zu erkennen, dass auch kleine Freuden helfen können, das mitunter belastete Leben etwas leichter zu machen – auch, wenn es nur für kurze Zeit ist.
Einen besonderen Traum hat Ingrid Ohm noch: „Es wäre doch toll, wenn eine Mobiel-Straßenbahn mit meinem „Erdi“ durch die Stadt führe!“ Weil Erdi schon so viele bildliche Situationen gemeistert hat, könnte auch das irgendwann möglich werden!
Übrigens: Das stehende Erdmännchen vom Spielzeughersteller Schleich wird so, wie von Ingrid Ohm verwendet, nicht mehr hergestellt. Über Ebay kann man die Figur noch erwerben, je nach Erhaltungszustand werden dafür jedoch schon erhöhte Sammlerpreise fällig.
Ingrid Ohm bereitet mit ihrer Ausstellung vielen Menschen Freude. Mit ihren Bildern der ‚Multiple Mini Art‘-Ausstellung hebt sie sich deutlich von anderen Fotoausstellungen ab, es macht einfach Spaß, sich die Bilder anzusehen. Die Ausstellung ist im Rathaus-Pavillon, Germanenstraße 22 in 33647 Bielefeld-Brackwede, jeweils Samstag und Sonntag von 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr bis einschließlich Sonntag, den 26. April 2026 zu besuchen. Wer etwas Einzigartiges sucht, an das er sich noch lange gerne erinnert, der wird es in dieser Ausstellung finden!

