Als Markus Fölling am 6. März 2026 im Forum des ExifCafés die Fotoausstellung ‚Soul Detox – Kleine Fluchten‘ mit Bildern von Björn Morfar im Bürgerzentrum Remise in Halle (Westf.) bekanntgab, verbreitete sich schlagartig Neugier auf mehr Informationen. Hinter dem Pseudonym ‚Björn Morfar‘ verbirgt sich ein Fotograf, dessen Identität nur der Initiatorin und Kuratorin der Ausstellung, Nicole Draak, bekannt ist, die ihn bisher auch nur selten persönlich getroffen hat. Im Internet waren zum Fotografen ‚Björn Morfar‘ keine weiteren Informationen ersichtlich, bis auf den Hinweis, dass es Spuren nach Dänemark geben soll. ‚Morfar‘ in dänischer Sprache bedeutet ins Deutsche übersetzt ‚Großvater, Opa‘.
Markus Fölling hatte seine Informationen dem Haller Kreisblatt entnommen, das die Ankündigung der Ausstellung unter der Überschrift ‚Kunst-Phantom huscht unerkannt mit seiner Fotokamera durch Halle‘ veröffentlichte. Andere nennen ihn auch den hiesigen Banksy. Die neugierig machende, geheimnisvolle Ankündigung für diese Fotoausstellung war schon von besonderer Art: Die Eröffnung der Fotoausstellung war für den 13. März 2026 mit der Vernissage um 18.00 Uhr terminiert – wir vom ExifCafé waren dabei!
Bei unserer Ankunft waren bereits einige Besucher im Ausstellungsraum und auch Nicole Draak, die Initiatorin der Ausstellung war bereits vor Ort. Das gab uns Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit ihr, allerdings verriet sie dabei auch keine Details oder Geheimnisse zu Björn Morfar und verwies freundlich auf ihre bevorstehende Ansprache.
Zur Eröffnung der Ausstellung begrüßte Jana Wieking vom Stadtmarketing Halle (Westf.) die Besucher und sprach direkt die Brief- und Kunstfreundschaft von Nicole Draak und Björn Morfar an. Dass ein noch lebender Künstler bei der Vernissage seiner Werke nicht anwesend sei, gehörte auch zu den Besonderheiten dieser Ausstellungseröffnung. Für alle weiteren Informationen zur Entstehung und Entwicklung der geheimnisvollen Verbindung von Nicole Draak und Björn Morfar übergab sie das Wort an die Initiatorin der Fotoausstellung Nicole Draak.
Nicole Draak begann nach der Begrüßung ihre Ansprache mit einem Gedicht der deutschen Dichterin Auguste Kurs (1815 – 1892) ‚Nur eine Stunde im grünen Wald – nur eine Stunde von Menschen fern‘. Worte, die ausdrücken, was diese Ausstellung zeigen soll.
Auf den Tag genau vor drei Jahren erhielt Nicole Draak das erste Bild von Björn Morfar – einfach so – über WhatsApp. Ein Foto, das sie seither ständig begleitet, weil es sie in einer schweren Zeit aus einem schwarzen Loch geholt hat. Zwischenzeitlich hat sie ca. 50.000 Bilder von Björn Morfar erhalten, die sie virtuell auf seinen Reisen in der ganzen Welt mitgenommen haben. Weil Nicole Draak fand, dass nicht nur sie diese Bilder sehen sollte, begann sie mit Zustimmung von Björn Morfar, die Bilder auch anderen Menschen zu zeigen. In Gottesdiensten, kleinen und großen Ausstellungen oder auch als Glückwunschkarten. Dabei betrachtete sie die Betrachter, die oftmals eigene, kleine Geschichten in den Bildern entdeckten.
In den Fotografien von Björn Morfar ist nichts gestellt oder nachbearbeitet. Alle ausgestellten Fotografien wurden in der örtlichen Umgebung von Halle aufgenommen, auf der Suche nach Orten zum Seele baumeln lassen und durchzuatmen. Im Teutoburger Wald, in der Nähe der Ravensburg, in Borgholzhausen, in Hesseln und an der Lutter in Isselhorst. „Kunst besteht darin, Begebenheiten zu sehen und festzuhalten“, sagt Nicole Daak. Ihre Ansprache abschließend bedankte sich Nicole Draak bei Patrick Louven, der mit seiner Gitarre zur angenehm entspannten Atmosphäre im Ausstellungsraum beitrug. Das Lied ‚Bella Ciao‘ spielte dabei eine besondere Rolle, aber das wäre eine andere Geschichte, meinte Nicole Draak.
Der Titel der Ausstellung ‚Soul Detox‘ beschreibt den bewussten Prozess der inneren Reinigung von emotionalem Ballast und toxischen Erinnerungen, die nach emotional belastenden Erfahrungen zurückbleiben. Die ‚Seelenentgiftung‘ hilft, emotionale Wunden zu heilen und einen Neustart für Herz und Geist zu ermöglichen. Und genau da beginnt auch die Verbindung von Björn Morfar zu Nicole Draak. Mit dem ersten Bild, das ihr Björn Morfar in einer für sie schweren Zeit mit den Worten: „Ich glaube, das können Sie gerade gebrauchen, Frau Draak!“ zusandte. Das Bild zeigt in einer freundlich, sommerlichen Landschaft einen hölzernen Steg, der in einen See führt. Sinnbildlich für Raum, Ruhe und Frieden, Luft und Freiheit – fern jeglicher Belastungen. Damit startete vor exakt drei Jahren die Zusammenarbeit von Nicole Draak und Björn Morfar. Seitdem kommunizieren Nicole Draak und Björn Morfar per E-Mail, über die Nicole Draak täglich Fotos von Björn Morfar zugesendet erhält. Von den erhaltenen Bildern hat Nicole Draak ohne Beteiligung Björn Morfars, einige seiner Aufnahmen für die aktuelle Ausstellung ausgewählt. Björn Morfar wollte mit seinen Bildern nie in die Öffentlichkeit, Nicole Draak hat ihn letztlich doch dazu überzeugt.
In der Ausstellung ‚Soul Detox – Kleine Fluchten‘ werden 17 Naturfotografien von Björn Morfar, weitestgehend im Großformat 60×80 cm auf Leinwand gedruckt, gezeigt. Die Beleuchtung der großformatigen Bilder in der Remise war nicht optimal, aber im geeigneten Abstand waren Inhalte und Details erkennbar. Intensive Gedanken zur Aufnahmetechnik oder fotografischen Regeln stehen bei den gezeigten Exponaten nicht im Vordergrund, vielmehr sind es die emotionalen Empfindungen und Gedanken des Fotografen bei den während seiner Exkursionen erscheinenden Motiven, die zu den entstandenen Bildern geführt haben. Motive sind die vielfältige Schönheit der Natur mit ihren verborgenen Details, stille, spiegelnde Wasseroberflächen, lebendige Uferlandschaften, der intensive Blick auf Details der Flora und Fauna über eigene Perspektiven. Bilder, die mit tiefer Verbundenheit in und mit der Natur entstanden sind.
Über seine Fotografien sagt Björn Morfar selbst: „Wenn ich einen Ort entdecke, habe ich keinen Plan. Ich tauche ein in die Atmosphäre, lasse mich treiben. Hinter jeder Ecke vermute ich ein Geheimnis, ein Schatten lockt mich nach links in einen Hinterhof, saugt mich ein. So vieles bezaubert mich. Ich bewege mich wie ein Einheimischer fort, fern der touristischen Attraktionen und der ausgetretenen Sightseeing-Pfade. Ich durchstreife Wohngebiete und suche das, was den Ort ausmacht. Nicht das bombastische, eher die kleinen, liebevollen oder hässlichen Details. Ich versuche den Ort zu begreifen. Die Kamera, unsichtbar an mir, sie ist mein Auge. Dennoch fotografiere ich irgendwie heimlich, will nichts verändern, nicht auffallen. Die Kamera fasst zusammen, was ich sehe und was ich bemerke, halte ich fest um zu bemerken. Im Alltag rotieren die Gedanken ohne Pause in meinem Kopf. Führt mich die Kamera, bin ich ruhig und nur Körper und Auge. Irgendwie fotografiert sie allein. An solchen Tagen treibt mich die Neugier eines alten Kindes, kein Hunger, kein Durst. Weiter, immer weiter, bis es nicht mehr geht.“
So entstehen die Bilder Björn Morfars auf seinen Ausflügen in der Natur scheinbar mehr oder weniger im Vorbeigehen. Aufmerksam erkennt er seine besonderen und stillen Motive der Erholung, ohne sich jedoch mit intensiven Gedanken zur fotografischen Aufnahme zu belasten. Seine Aufnahmen sind die unverfälschte Realität seines Blicks in einem Moment der Entdeckung. Vermutlich ist Björn Morfar auch nicht mit einem umfangreichen, schweren und belastenden fotografischen Equipment unterwegs, auch darin folgt er seinem Gefühl für Ruhe, Entspannung und Entlastung.
Mit der Ankündigung der Ausstellung um den geheimnisvollen ‚Björn Morfar‘ verbreitete sich Neugier, mehr über den Fotografen und seine Bilder zu erfahren. Die Fotoausstellung ‚Soul Detox – Kleine Fluchten‘ im Bürgerzentrum Remise, Kiskerstraße 2, 33790 Halle (Westf.) ist noch bis zum 30. April 2026 zu sehen. Während der Vernissage hat uns Nicole Draak mit ihrer Ansprache geholfen, Zugang zu den Bildern von Björn Morfar zu erhalten. Um die Bilder zu erleben, die dahinterstehenden Emotionen zu fühlen, müssen sich Betrachter darauf einlassen. Aber wahrscheinlich werden auch nach dem Ausstellungsbesuch noch nicht alle Geheimnisse um Björn Morfar aufgelöst sein.
Wie im ExifCafé üblich, setzen wir uns nach Ausstellungsbesuchen oft noch in einem Café oder Restaurant zusammen, um die besuchte Ausstellung zu reflektieren und sich auch allgemein auszutauschen. Es hat uns sehr gefreut, dass sich unserem Gaststättenbesuch auch der Fotograf Paul-Gerhard Haselhorst angeschlossen hat.
Paul-Gerhard Haselhorst arbeitete viele Jahre als Dozent an der Volkshochschule Ravensberg und als langjähriger Leiter der von ihm 1981 gegründeten Fotogruppe ‚augenblick‘ in Halle (Westf.), in der er auch heute noch aktives Mitglied ist. Sein fotografisches Wissen und seine Erfahrungen gibt Paul-Gerhard Haselhorst gern an andere Menschen weiter, die sich für die Fotografie begeistern und sich auf diesem Gebiet fortbilden möchten. Für sein Engagement in der Kulturszene der Region wurde er von der Neuen Westfälischen Zeitung, Bielefeld mit dem ‚Stern des Jahres 2015′ ausgezeichnet. Seit 2017 nimmt er mit großem Erfolg an Wettbewerben internationaler Photosalons teil, die unter dem Patronat der Federation Internationale de l‘ Art Photographique (FIAP) sowie der Photographic Society of America (PSA) stehen. Im Jahr 2021 hat Paul-Gerhard Haselhorst den Status ‚Artiste Fédération Internationale de l‘ Art Photographique‘ (AFIAP) erreicht und im November 2025 wurde er für seine 50jährige Mitgliedschaft im Deutschen Verband für Fotografie und der International Federation of Photographic Art geehrt.
Es hat viel Spaß gemacht und war sehr interessant, im Gespräch von den Kenntnissen, Erfahrungen und Erlebnissen des erfolgreichen Fotografen zu hören. Die Zeit verging dabei wie im Flug, so dass wir die Rückfahrt erst verspätet angetreten haben. Dank an alle Beteiligten für den gelungenen Abschluss unseres Ausstellungsbesuchs!

