Das neue Jahr 2026 hat gerade erst begonnen und man ist noch gar nicht so richtig angekommen, da zeigt unser ExifCafé-Kalender schon den Termin zum ersten geplanten Ausstellungsbesuch. Die angehenden Fotografen der Klasse GFO3 (Gestaltung Fotografie 2023) des Berufskollegs Senne präsentieren im Brackweder Rathaus-Pavillon in ihrer Ausstellung ‚Obscura‘ eine Auswahl ihrer Bilder, die in den letzten Jahren im Rahmen der Ausbildung und bei privaten Aktivitäten entstanden sind. ‚Obscura‘, der Titel der Ausstellung, wurde nach der ‚Camera Obscura‘ benannt, bzw. Bildentstehung in der Linse, die erstmals vollständig korrekt von Johannes Kepler im Jahr 1604 beschrieben wurde.
Als interessierte und motivierte Auszubildende begannen die Aussteller im August 2023 ihre duale Ausbildung zum Fotografen, die über ihre Ausbildungsbetriebe (Werbeagenturen und -studios) sowie im Berufskolleg Senne stattfindet. Schulisch werden Kenntnisse zu Fototechnik, Bildgestaltung, Farblehre, Lichtsetzung und Bildbearbeitung (am BK Senne über Adobe Lightroom, Adobe Photoshop, Capture One) vermittelt, in den Ausbildungsbetrieben werden praktische Arbeiten im Umgang mit Kameras, verschiedenen Objektiven (Brennweiten), Lichttechnik und natürlich auch erlernte theoretische Kenntnisse praxisorientiert angewendet. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer Abschlussarbeit, die aus einer praktischen und theoretischen Prüfung besteht.
Einzelne Schüler der Klasse GFO3 beendeten ihre Ausbildung vorzeitig und orientierten sich in andere Berufsfelder. Für die sieben verbliebenen Auszubildenden Robin Feldmann, Milena Mijatovic, Tamara Mayer, Fabio Deinert, Jona Lange, Kurt Kuhn und Julian Recker endet die Fotografen-Ausbildung zum Halbjahr 2026. Jetzt erhielten die angehenden Fotografen die Gelegenheit anhand ihrer Bilder ihre Entwicklung und Lernerfolge über ihre gemeinsame Fotoausstellung ‚Obscura‘ zu zeigen. Eine Fotoausstellung der Abschlussklassen ‚Fotografie‘ des Berufskollegs Senne zählt bereits seit Jahren zum Ausbildungsverlauf der Fotografen.
Zur Vernissage der Fotoausstellung ‚Obscura‘ am 15. Januar 2026 um 19.00 Uhr im Rathaus-Pavillon in Bielefeld-Brackwede hielt Vincenzo Copertino, der seit November 2025 gewählte Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Bielefeld-Brackwede, die Eröffnungsansprache.
Zu Beginn seiner Rede gab er seiner Begeisterung Ausdruck für die große Besucheranzahl, der Rathaus-Pavillon war mit über 100 interessierten Teilnehmern sehr gut besucht. In seinen weiteren Ausführungen erwähnte Vincenzo Copertino die dreijährige Ausbildungszeit der angehenden Fotografen, in der auch ihre Entwicklung, Haltung und die individuelle Perspektive mitbestimmend für die eigene Sicht auf unsere sich ständig wandelnde Welt werden und dass Fotografie mehr als Technik bedeutet und die eigene Beobachtung, Interpretation, Position und der eigene Stil beim fotografischen Einfangen von Licht und Schatten den Unterschied ausmachen. Genannt wurde auch die Verantwortung der Fotografen, was zeige ich, welche Geschichte möchte ich erzählen.
Vincenzo Copertino richtete seinen Dank an die ausstellenden, angehenden Fotografen, die mit ihren Fotografien unterschiedlicher Genres eine beeindruckende Vielfalt zeigen, die über Produkt-, Portrait- und Architekturfotografie auch die individuellen, bevorzugten Lieblingsthemen der einzelnen Fotografen zeigen. Seinen Dank sprach er auch den Lehrkräften des Berufskollegs Senne und den beteiligten Ausbildungsbetrieben aus, die neben der Ausbildung durch Wissensvermittlung begleitend auch die Persönlichkeitsentwicklung fördern und ermutigen, eigene Wege zu gehen und auch künstlerische Freiheit zu visualisieren.
Für die ausstellenden Fotografen sprach anschließend Fabio Deinert, der allen Besuchern vorab das ‚Du‘ anbot, um einen zwanglosen, offenen Gesprächsaustausch zu ermöglichen. Auch er dankte den Besuchern für das zahlreiche Erscheinen und große Interesse, den Mitarbeitern der Bezirksverwaltung Brackwede für die Möglichkeit zur Ausstellung im Rathaus-Pavillon und natürlich auch den Ausbildungsbetrieben, Lehrkräften und Helfern, die diese Ausstellung möglich gemacht haben, wozu auch die Unterstützer zur Erstellung von Werbematerialien und Bilddruck beigetragen haben. Mit einem Hinweis auf die bereitgestellten Snacks und Getränke eröffnete Fabio Deinert die Ausstellung und wünschte allen Besuchern viel Spaß und interessante Gespräche untereinander und mit den Fotografen.
Die ersten Vorbereitungen zur geplanten Ausstellung begannen vor etwa einem halben Jahr. Mit der Qual zur Wahl traf jeder Aussteller die Auswahl der auszustellenden Bilder selbst. Für die Anordnung der Stellwände im Ausstellungsraum wurde ein Plan mit Sektionen für jeden Aussteller erarbeitet und im Rathaus-Pavillon eingerichtet. Alle ausgestellten Bilder in unterschiedlichen Formaten, darunter auch viele größere Formate, waren auf Leichtschaumplatten aufgezogen, sauber geschnitten und an den Stellwänden aufgehängt worden. Zur weiteren Information konnten die Besucher einen QR-Code scannen, der zu weiteren Bildern der einzelnen Fotografen bei Instagram führte.
Aufgrund des großen Besucheraufkommens waren die ausstellenden Fotografen für meine Fragen zu den ausgestellten Bildern während der Vernissage nicht erreichbar. Daher habe ich mich an diesem Abend mit meinen Fotofreunden vom ExifCafé auf eine erste Ansicht der Bilder beschränkt und einen weiteren Besuch der Ausstellung geplant. Das habe ich in der Folgewoche wahrgenommen und im Gespräch mit den Aussteller Tamara Mayer, Milena Mijatovic und Robin Feldmann meine Fragen stellen können.
Tamara Mayer findet neben der Produktfotografie ihre bevorzugten Fotomotive in sportlichen Bereichen und Landschaften. Sehr gelungen fand ich ihre Aufnahme vom Training einer Gruppe Sportlerinnen bei der die im Vordergrund agierende Person einen gekonnten Spreizsprung zeigt und die Fotografin im optimalen Moment den Kameraauslöser drückte. Sehr gut gefiel mir auch ihr Bild von zwei Kite-Surfern, das minimalistisch mit nur geringer Tönung eine außergewöhnliche Bildwirkung hat. Das Sportbild war nicht in der Ausstellung zu sehen, beide Bilder sind jedoch in der Ausstellungsbroschüre enthalten.
Mit Milena Mijatovic teile ich das Lieblingsgenre ‚Automotive‘. Im Gespräch ergab sich, dass Milena gerne die Mottoveranstaltungen im Lenkwerk Bielefeld besucht, um dort Oldtimer, aktuelle Sportfahrzeuge und Motorräder zu fotografieren. Aus der Entfernung fiel mir sofort eines ihrer Bilder mit einem Porsche-Logo auf, das mir auf den ersten Blick den Eindruck vermittelte, als wäre es auf einer Apollo-Raumkapsel, während im Bildhintergrund die diffuse Erdkrümmung erscheint. Beim Näherkommen zeigte sich jedoch der verchromte Haubengriff mit Porsche-Logo des Oldtimermodels Porsche 356. Im blanken Chrom spiegelt sich erkennbar die Architektur der Lenkwerk-City. Hier hat das Zusammenspiel von Perspektive, Aufnahmeentfernung und Blendeneinstellung eine interessante Aufnahme gestaltet. Neben Auto- und Motorrad-Motiven zeigt Milena Mijatovic kreative Portrait- und Hochzeitsfotografie.
Robin Feldmann hat mich mit einer Collage seiner Produktfotografie überzeugt, mit der er unter anderem eine Flasche der Glühweinmarke ‚Heißer Hirsch‘ buchstäblich ‚heiß‘ in Szene setzte. Mit einer Nebelmaschine hat er eine Flasche des Getränks über mehrere Versuche mit umschlingendem Dampf (Nebel) werbewirksam abgelichtet. Vor schwarzem Hintergrund heben sich Konturen und rot-weiße Etikettierung der Flasche kontrastreich ab. Die Standfläche ist unsichtbar im Nebel gehüllt, der bis über den Flaschenverschluss hinaus die Flaschenform in perfekter Ausdehnung umschließt, ohne dabei jedoch die wesentlichen Informationen der Etikettierung zu verdecken. Überrascht hat mich, dass das Foto von Robin Feldmann keine beauftragte Arbeit ist. Er hat sich dieses Produkt selbst ausgesucht und seine Vorstellung zu einer werblichen Unterstützung umgesetzt. Der Hersteller des Glühweins hat bisher auch keine Kenntnis von diesem Foto – aber das kann sich ja vielleicht noch ändern!
Auch die anderen angehenden Fotografen wie Fabio Deinert, mit besonderen Perspektiven auf Architektur und sportliche Aktivitäten, Jona Lange mit Portrait- und Architekturfotografie, Kurt Kuhn mit Street-, Travel- und Architekturthemen und Julian Recker mit Produkt- und Eventmotiven zeigen interessante Fotoarbeiten in der Ausstellung.
Bemerkenswert ist auch die Gestaltung des Ausstellungsplakats, das auch auf der Titelseite der 36seitigen Ausstellungsbroschüre zu sehen ist. Die Idee dazu hatte die Ausstellergemeinschaft, die Gestaltung und Umsetzung übernahm Misha, eine Schul-Praktikantin. Eine Portraitcollage, in dem Ausschnitte einzelner Gesichtsanteile der sieben Aussteller in geradlinigen, unterschiedlichen Formausschnitten das Gesamtportrait gestalten. Tolle Idee, kreative Bearbeitung und ein sehenswertes Ergebnis! Ein Motiv, das Aufmerksamkeit erreicht und Erwartungen weckt! Ähnlich kreative Bilder hatte ich daher anteilig auch in der Ausstellung erwartet, jedoch nicht gefunden. Auf Nachfrage wurde mir dann jedoch der Bezug zu den sieben Ausstellern mitgeteilt und damit auch meine Bezugserwartung erfüllt.
Zum Abschluss noch eine Frage / Antwort: Wer darf sich eigentlich ‚Fotograf‘ nennen und damit werben? Nach der alten Handwerksordnung durfte sich nur Fotograf nennen, der auch einen entsprechenden Meisterbrief hatte. Mit der Handwerkerrechtsnovelle 2004 wurde die Fotografentätigkeit vom Meisterzwang ausgenommen und ist seitdem zulassungsfreies Handwerk. Demnach darf sich jeder ‚Fotograf‘ nennen und damit werben, der einen Kameraauslöser drückt. Aber rechtlich gilt dass nur, solange nicht der Eindruck erweckt wird, dass eine fotografische Gesellen- oder Meisterprüfung abgelegt wurde.
Leider ist der Ausstellungszeitraum, beginnend mit der Vernissage am 15. Januar bis Donnerstag, den 29.Januar 2026, relativ kurz bemessen. Die Öffnungszeiten im Brackwerder Rathaus-Pavillon sind jeweils donnerstags, samstags und sonntags von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr.
Wir von der ExifCafé Photocommunity Bielefeld OWL sagen vielen Dank für die gelungene Fotoausstellung, wünschen allen Ausstellern demnächst einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss und für die berufliche und private Zukunft alles erdenklich Gute, immer bestes Licht bei den fotografischen Vorhaben, besondere Ideen und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein!


