Es ist zwar erst Ende November, dennoch fühlt man sich schon im Weihnachtsmodus. So ging es zumindest mir, fast hätte ich wegen mehrtägigen Handwerkereinsätzen, Versicherungsaktualisierungen und dem ganz normalen Alltagsstress, zu dem jedoch auch das noch nicht geklärte Weihnachtsgeschenkthema zählt, unseren Online-Phototalk vergessen. Aber ein Blick auf den Kalender hat mich am späteren Nachmittag sofort wieder informiert.
Aufgrund beruflicher Verpflichtungen mussten wir auf unseren Moderator Sven verzichten, aber pünktlich zum Start um 19.00 Uhr zeigten sich wieder viele Gesichter der teilnehmenden ExifCafé-User auf dem Monitor. Und dann ging es auch gleich um die erarbeiteten Bilder der Challenge-Aufgabe ‚Pilze – setzt die kleinen Pilze groß in Szene‘.
Die Pilzsaison startet je nach Wetter. Entscheidend sind Temperatur, Regen und Bodenfeuchte. Während im einen Jahr schon im Juni die ersten Pilze aus dem Waldboden sprießen, lässt sich der Start in anderen Jahren bis in den Spätsommer Zeit. Die Zeit für frühe Arten wie Pfifferling oder Champignon ist etwa Juni bis Juli, die Klassiker, wie Steinpilz, Birkenpilz und Parasol zeigen sich von August bis Oktober und die späten Arten bei feucht-kühlem Wetter, wie z. B. Hallimasch und Austernseitling, von Oktober bis November. Pilzarten sind selbst in unserer Region sehr vielfältig. Im Wald, an Totholz und auf Wiesen. Wer danach sucht, wird bestimmt fündig!
Katharina fand ihr Motiv in einem alten Wald an der Nordsee bei Dangast. Gestartet war sie bei Sonnenschein, irgendwann setzte dann kräftiger Regen ein – grandioses Pilzwetter! Aufgenommen hat sie im Hochformat eine kleine, weiße, vierköpfige Pilzfamilie. Schützend nimmt der größte, schmalstielige Pilz die drei anderen, unterschiedlich großen Familienmitglieder unter seinen Schirm. Das Bild wurde bei offener Blende mit einem 70mm Makro-Objektiv mit schöner Freistellung von Vorder- und Hintergrund auf Höhe der Pilzgruppe aufgenommen. Die erdfarbene Umgebung mit reduziertem Lichteinfall setzt die kleinen Pilze gut in Szene. Auf ihrem zweiten Bild ist die Pilzgruppe schon zahlreicher. Die Perspektive ist von schräg oben gewählt, beleuchtet wurden die Pilzschirmchen von oben mit einer kleinen LED-Lampe. Auch hier wurde durch die offene Blende eine schöne Freistellung erreicht. Ein Stativ war unter den spärlichen Lichtverhältnissen erforderlich.
Auch Uwe L. hat sich für sein Pilzfoto erdnah bewegt, um die Pilzgruppe ‚auf Augenhöhe‘ abzulichten. Die Pilze wurden von unten mit Mikro-LEDs und von oben mit einer Taschenlampe angeleuchtet, der intensive gelbe Farbton hebt sich bildwirksam von der Umgebung ab. Auch Uwe hat ein Stativ genutzt, die Kamera mit Blende 14 bei ISO 64 eingestellt und die Auslösung über sein Handy vorgenommen. Sehr gefällige, stimmungsvolle Aufnahme! Ingrid hat sich bei ihrer Aufnahme für Steifstielige Mürblinge im Gegenlicht ohne zusätzliche Beleuchtung entschieden. Den Hintergrund bildet braunes Buchenlaub. Auch hier die Froschperspektive, die über die gewählten Kameraeinstellungen eine schöne Freistellung der Pilze vor naturbelassenem, farbigem Bokeh ergibt. Bei ihrer Pilzsuche stellte Ingrid fest, dass es zwar viele Pilze gab, jedoch waren die meisten beschädigt.
Markus F. ist Biologe und hat sich neben der Pilzabbildung auch noch die bildliche Darstellung der Verbreitung durch Pilzsporen vorgenommen. Mit Ausstattung von Kopflampe, Isomatte, Kerze, trockenem Laub und viel Geduld hat er sich die Pilze auf dem Rasen im eigenen Garten als Motive ausgesucht. Über eine Kerzenflamme wurde Laub angebrannt und der Rauch in Richtung Pilz geblasen, um den durch Wind ausgelösten Sporenausstoß nachzuahmen. Und das ist ihm richtig gut gelungen! Die Kamera lag bei den Aufnahmen direkt auf dem Boden. Der Rauch zieht um den Pilzhut und wirkt ähnlich einem echten Sporenausstoß. Tolle Bildergebnisse, beeindruckende Darstellung, die Markus F. mit vier verschiedenen Pilzarten gestaltet hat!
Stefans erstes Pilzfoto zeigt einen Zunderschwamm, der an der weißen Unterseite die Besonderheit von vielen kleinen Wassertropfen zeigt. Der Zunderschwamm ist häufig an Totholz zu sehen, aber auch an gesunden Bäumen. Die ‚Geweihförmige Holzkeule‘ ist dagegen schon seltener zu finden, wie auch das ‚Weiße Stummelfüßchen‘, von denen Stefan ein größeres und ein kleines Exemplar in einem Bild zeigt. Ergänzt wird seine Fotoausbeute mit grünen Trompetenflechten, die nur wenige Millimeter groß sind und oft in einer Vielzahl feuchte Flächen von Totholz besiedeln. Ein Bild von einem Tintenfischpilz wirkt mit seinen rot-schwarzen Fangarmen schon etwas exotisch, er wurde vor langer Zeit von Australien nach Mitteleuropa eingeschleppt. Auch Stefan nutzte bei seiner Fotografie zusätzliche Beleuchtung.
Alfred präsentierte zwei Zunderschwämme in Teilansicht mit einer Perspektive von oben als sich wiederholende, grafische Anordnung, wobei nur ein Zunderschwamm im Fokus liegt, während der zweite im Hintergrund unscharf abgebildet ist. Ich habe darauf gewartet und er kam auch noch: Der Fliegenpilz, den Andreas K. im Bild zeigte. Weißes Stämmchen, roter Hut mit weißen Flecken – ein Pilz, der sich mit seiner auffallenden Optik selbst in Szene setzt! Es ist wahrscheinlich der bekannteste Pilz. Einerseits als giftige Pilzart bekannt, wird sein Abbild andererseits oft als Glückssymbol verwendet.
Die Challenge-Aufgabe, Pilze in Szene zu setzen, hat bei den ExifCafé-Usern reges Interesse ausgelöst, die Namensfindung der gezeigten Pilze gestaltete sich jedoch oft schwierig. Zu umfangreich sind die Pilzarten, mit Lamellen oder Röhren, oftmals mit nur geringen Unterschieden. Ich hatte vermutet, dass aus Spaß an der Freude auch die bevorzugte Biermarke als frisch gezapftes „Pils“ im Bild erscheinen würde, aber dieser Kalauer war dann doch nicht dabei.
Heinz hatte uns im letzten Online-Phototalk Bilder von seiner Fototour im Stadthafen Münster gezeigt, bei denen er während einer Langzeitbelichtung über ein Zoomobjektiv eine längere Brennweite einstellte. Dabei entstanden von seinem Motiv der gegenüberliegenden Gebäudereihe im Hafen außergewöhnliche Ansichten in Schwarz-Weiß. Die geradlinigen Gebäudelinien zeigen sich markant über ihre Originalansichten, durch die Brennweitenveränderung entstehen darüber hinaus jedoch noch ‚Geisterbilder‘ der Gebäudelinien über den Gebäuden im strukturlosen grauen Himmel. Sehr interessante Variation der Architekturansicht im Stadthafen Münster. Davon hatte sich Dieter D. inspirieren lassen und einige Versuche in der Natur dazu unternommen. Sein Motiv war ein Mischwald hinter einer größeren Wasserfläche. Auch hier ergaben sich interessante Ansichten, die jedoch nicht so deutlich erkennbar waren, weil die Verzweigungen der Baumkronen unregelmäßige Linien, der Himmel mit Wolkenstrukturen die ‚Geisterbild-Baumkronen‘ beeinflusst und die Aufnahmen in Farbe gezeigt wurden. Dennoch zeigen auch Dieters Versuche die besonderen Möglichkeiten, mit Kreativität außergewöhnliche Bildergebnisse zu erreichen.
Wie bereits im Vorjahr hat sich Katharina wieder für einen Kurzbesuch auf den Weg nach Paris gemacht. Von diesem Ausflug zeigte uns Katharina einige Bilder. Mit dem Zug über Bremen nach Köln und in 3 ½ Stunden mit dem Pariser-Schnellzug zur Seine-Metropole. Die Unterkunft war mitten in der Stadt gelegen, optimal als Ausgangspunkt für die geplanten Stadtbesuche und vom Balkon aus konnte man sogar den Eiffelturm sehen. Eigene Fotografie stand bei diesem Paris-Besuch nicht im Vordergrund, vielmehr sollte das Pariser Flair einmal ganz unbelastet aufgenommen werden. Aber natürlich wurden auch Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel Eiffelturm, Notre Dame und Montmartre besucht. Das Wetter war mit 18 Grad und Sonnenschein bestens und auch abends waren die Straßencafés gut besucht. Ein weiteres Highlight war der Besuch der ‚Paris Photo 2025‘, bei der über 170 Galerien und 40 Verlage mit Künstlern aus aller Welt im Kirchenschiff des Grand Palais ein außergewöhnliches Panorama an Bildern, Ideen und Talenten zwischen historischen Werken und zeitgenössischen Schöpfungen boten.
Von ihrer Parisreise 2024 hatte Katharina ein besonderes Foto aus dem Kunstmuseum Musée d’Orsay mitgebracht, das einen kleinen Jungen hinter der Absperrung eines großen Gemäldes mit dem Titel ‚Les Romains de la décadence‘ des Malers Thomas Couture zeigt. Der Junge kniet hinter der Absperrung, vor sich ein Blatt Papier, auf dem er sich Notizen macht oder etwas zeichnet. Dieses Bild hat mich sofort begeistert, die Szene mit dem Jungen hinter der Absperrung des Gemäldes lässt das Kopfkino sofort starten – ein Bild mit viel Raum für Fantasie und Geschichten. Wie Alfred seinerzeit bemerkte, handelte es sich bei dieser Szene um eine Kunstinstallation der beiden skandinavischen Künstler Elmgreen & Dragset, ihre Kunstwerke sind bekannt für Witz und subversiven Humor und greifen auch soziale und kulturelle Anliegen auf. Der Junge war eine aus Silikon täuschend echt gefertigte Puppe. Trotz der bewiesenen Inszenierung bleibt Katharinas Foto noch immer außergewöhnlich gut!
In diesem Jahr ist Katharina wieder ein fantastisches Foto in Paris gelungen. Eine Langzeitbelichtung, im Hintergrund der Eiffelturm und auf der vordergründigen Aussichtsfläche sind mehrere Personen in verwischten Bewegungen zu sehen. Dieses Bild an sich ist schon bemerkenswert, es Schwarz/Weiss zu zeigen, ist die richtige Wahl. Dass diese Ansicht die Fantasie antreibt, ist die Ursache für eine weitere Bilddarstellung. Katharina hat die KI über einige Versuche mit gezielten Prompts beauftragt, ihr Foto als großflächiges Ausstellungsbild in einer Galerie zu zeigen, mit einer betrachtenden Person davor. Das Endergebnis ist einfach nur grandios! Ihr schwarz/weißes Bild hängt gerahmt mit schmaler, schwarzer Leiste in riesiger Größe an einer weißen Galeriewand, mittig davor steht betrachtend eine junge Frau im schwarzen Kleid auf beigefarbenem Parkett – und wahrscheinlich würde niemand widersprechen, wenn man meint, es ist Katharina. In jedem Fall ein tolles KI-Bild mit realem Eigenanteil! Ich finde es großartig! Und für Katharina ist Paris sowieso immer eine Reise wert!
Zum Abschluss unseres Phototalks sahen wir noch einige Bilder vom gemeinsamen Photowalk von Dieter D. und Axel entlang der Lutter in der Gegend um den nahegelegenen Ort Isselhorst. Das seinerzeit sonnige Wetter ließ das Laub der Wälder leuchten, es war so ziemlich die letzte Gelegenheit, herbstliche Fotos aufzunehmen, bevor die kältere und nasse Jahreszeit die Außenszenerie reduziert.
Bei diesem Online-Phototalk waren es erneut viele Bildbeiträge, die uns gut unterhalten haben. Unseren letzten Online-Phototalk in diesem Jahr werden am 29.12.2025 (ausnahmsweise einmal an einem Montag!) gestalten und auch da werden wir wieder viele Bilder sehen – nämlich eine große Auswahl der Bilder, die im Laufe des Jahres in unserem Forum eingestellt wurden.
Jetzt freuen wir uns auf unsere Weihnachtsfeier am 13.12.2025 im Wirtshaus 1802 Bültmannshof, bei der wir auch wieder einmal unsere Fotofreunde aus der Oldenburger Region live und in Farbe wiedersehen!

